Im folgenden finden Sie Vorträge, welche im Bildungs- und Begegnungszentrum Meilen von PsychiaterInnen und PsychologInnen gehalten wurden. Jeder einzelne Vortrag spricht ein Thema an, das viele Menschen kennen. 

Hefte 1 - 8:
Heft 1: Schwierigkeiten in der Partnerschaft
Heft 2: Die Überwindung des Minderwertigkeitskomplexes
Heft 3: Wie lerne ich die anderen besser verstehen?
Heft 4: Wie kann man nach einer Enttäuschung wieder Vertrauen finden?
Heft 5: Das Schwächegefühl Eifersucht erkennen und verstehen lernen
Heft 6: Der Sinn des Lebens aus psychologischer Sicht
Heft 7: Aufschieben, verzögern, vertagen - was hindert uns, Dinge anzupacken?
Heft 8: Intensive Psychotherapie bei Psychosen


"Schwierigkeiten in der Partnerschaft – Lösungen erarbeiten und entwickeln" (Heft 1) von lic. phil. Diethelm Raff 

Eine beglückende Partnerschaft, in der die Liebe, gegenseitiger Respekt, Zärtlichkeit und Treue beide Partner verbinden, gehört für die meisten Menschen zum Wichtigsten in ihrem Leben. Um diesen sehnlichen Wunsch zu verwirklichen, gibt es Voraussetzungen, die unabdingbar sind. In diesem Vortrag werden auf der Grundlage der neusten Erkenntnisse der Individualpsychologie, Neurophysiologie und Kommunikationstheorie komplizierte Zusammenhänge verständlich aufgezeigt und optimistische Perspektiven eröffnet, wie die notwendigen Fähigkeiten entwickelt werden können. Eine erfüllte Beziehung ist somit nicht mehr nur ein Traum oder ein Glücksfall, sondern wird real erlebbar. Dafür muss die Bereitschaft vorhanden sein, die Partnerschaft als Aufgabe aufzufassen, in der gegenseitiges Einfühlen und Interesse, sowie ein kooperativer, verständnisvoller Umgang und Aufbau von Vertrauen die Grundlagen sind. Anhand anschaulicher Fallbeispiele wird für den Leser erfassbar, was für die Beziehung störend ist und wie eine Veränderung zum Besseren erfolgen kann.  

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

"Die Überwindung des Minderwertigkeitskomplexes oder wie man aus seinen Schwächegefühlen herauskommt." (Heft 2)    
von Dr. med. Lilly Merz

Dem aufmerksamen und interessierten Betrachter des menschlichen Zusammenlebens zeigt sich in tausendfältigen Nuancen, wie Menschen mit Herausforderungen des Lebens umgehen. Möchte man einen Einblick erhalten, warum der Umgang so unterschiedlich ist, dann vermittelt der vorliegende Vortrag anhand von Fallbeispielen Grundlagen zum Verständnis. Diese basieren auf den neusten Erkenntnissen der Individualpsychologie. Letztere geht davon aus, dass die individuellen Lösungsstrategien bei Herausforderungen im Leben Hinweise auf die Bewegungslinie oder den Lebensstil des Menschen geben. Wenn sich aufgrund von fehlendem Wissen und einer verfehlten Einführung ins Leben Schwächegefühle entwickeln und sich diese infolge von unvermeidlichen Fehlschlägen noch vertiefen, so kann ein Minderwertigkeitskomplex entstehen. Mit dieser seelischen Ausstattung sind die Aufgaben des Lebens nur mit grossem Aufwand zu bewältigen. Diese verfehlten Versuche der Lebensbewältigung schaffen Distanz zu den andern. Schwächegefühle und Minderwertigkeitskomplexe sind, – so die optimistische Perspektive des Vortrags – zu beheben durch Ermutigung, Verständnis und kompromisslose Betrachtung der negativen Aspekte der erlernten Bewältigungsstrategien in einer Vertrauensbeziehung. Es bedingt eine moralfreie Herangehensweise an die eingeübten Reaktionsweisen, das Verstehen der Irrtümer und den Mut zu ausdauerndem Training neuer, gemeinschaftsorientierter Antworten an das Leben. Wie dieser Weg aussehen kann, veranschaulichen lebensnah verschiedene Fallbeispiele am Ende des Vortrags.

"Wie lerne ich die anderen besser verstehen?" (Heft 3)     von lic. phil. Diethelm Raff

Täglich stossen wir auf Situationen im Zusammenleben, sei es in Beruf, Partnerschaft, Schule oder im Freundeskreis, in welchen Missverständnisse auftauchen und Spannungen entstehen. Von Ärger über Vorwurf, Verurteilen, innerlicher Distanznahme bis Davonlaufen, gibt es alle Schattierungen von Reaktionen. Zurück bleibt eine Störung der Beziehung oder sogar deren Abbruch. Wer die zugrundeliegenden seelischen Abläufe verstehen will, erhält im Vortrag wichtige, anhand von Fallbeispielen lebensnah vermittelte tiefenpsychologische Kenntnisse. Das Verstehen der unbewussten Reaktionsweisen bei sich selbst und den Mitmenschen erfordert Bereitschaft zum Lernen, Ausdauer und Empathie. Deren Beurteilung wird auf der Grundlage dieses Verstehens milder, wohlwollender, versöhnlicher. Die Erkenntnis, dass der Mitmensch nicht böswillig oder nur auf seinen Vorteil bedacht handelt, sondern aufgrund unbewusster Irrtümer – macht den Weg frei zu verbindlichen, verständnisvollen Beziehungen.

"Wie kann man nach einer Enttäuschung wieder Vertrauen finden?" (Heft 4) 
von Dr. med. Lilly Merz 

Enttäuschungen gehören zum Leben des Menschen. Wie einschneidend sie sind und wie lange es dauert, bis der Enttäuschte wieder Mut und Vertrauen fasst, hängt weitgehend von seiner seelischen Ausstattung ab. Gram, Groll, Angst, Wut, Aggression, Rückzug von den Menschen und Depression sind häufige Reaktionen, aber untauglich, um die Verletzung, mit welcher eine Enttäuschung verbunden ist, zu überwinden. Sucht der Betroffene das Gespräch mit einer vertrauten Person, kann er konstruktive Auswege finden. Der vorliegende Vortrag zeigt auf der Grundlage von individualpsychologischen Erkenntnissen, wovon es abhängt, welchen Weg der einzelne bei Enttäuschungen und Niederlagen beschreitet. Dessen unbewusste Lebenseinstellung oder der Lebensstil, also seine Meinung über die Menschen und das Leben, leiten ihn. In der Erziehung entstandene Irrtümer, aufgrund derer er seine Erlebnisse verzerrt wahrnimmt, machen ihn misstrauisch und lenken seine Schritte. Unter Einbezug von neusten neurophysiologischen, anthropologischen und soziologischen Forschungsergebnissen und unterstützt durch eindrückliche, lebensnahe Fallbeispiele, führt der Vortrag ein in das Verstehen dieses Werdens. Er zeigt auf, wie durch die Auseinandersetzung mit der Lebensmelodie, durch den Aufbau eines tragfähigen sozialen Netzes und durch die Erfahrung gegenseitiger Hilfe sowie wohlwollender Kooperation, der seelische Schmerz heilen und neues Vertrauen ins Leben entstehen kann.

"Das Schwächegefühl Eifersucht erkennen und verstehen lernen"
(Heft 5) 
von lic. phil. Diethelm Raff

Eifersucht zeigt sich zum Teil als brennendes und nagendes Gefühl, zum grossen Teil ist sie jedoch nicht sichtbar und wird nicht erkannt. Sie steht im Mittelpunkt des hier abgedruckten Vortrages. Eifersucht stört nicht nur den Eifersüchtigen selbst, sondern auch seine Mitmenschen und beeinträchtigt oft unerkannt viele Beziehungen. Es handelt sich um ein Gefühl, das oft verurteilt wird und das niemand haben und schon gar nicht zugeben will. Deshalb fällt es den meisten schwer, es zu erkennen und noch mehr, sich offen darüber auszutauschen. Eifersucht wird meist erst dann zum Thema, wenn andere eifersüchtig sind. Leider ist die Annahme, Eifersucht in der Liebe sei ein Zeichen der Zuneigung, weit verbreitet. In Wirklichkeit handelt es sich um eine Unsicherheit im Gefühlsleben, durch die der Eifersüchtige den anderen bezwingt. Damit es möglich wird, sich mit diesem unangenehmen Gefühl zu befassen, nähert sich der Referent diesem Gefühl wie jedem anderen auch – interessiert, untersuchend und forschend. So stellt er die verschiedenen Spielarten von Eifersucht bei Kindern, in der Liebe und am Arbeitsplatz dar. Zudem erklärt der Referent, wie Eifersucht entsteht. Er legt dar, wie auch dieses Gefühl aus der individuellen Gefühlslage in den ersten Lebensjahren heraus erfassbar und verstehbar ist. Jeder Interessierte merkt beim Lesen schnell, dass niemand einer Eifersucht ausgeliefert ist. Wenn die unbewusste Lebensmelodie und deren Entstehung sichtbar wird, dann kann eine Eifersucht behoben werden.

"Der Sinn des Lebens aus psychologischer Sicht" (Heft 6)   
von lic. phil. Diethelm Raff 

Im Mittelpunkt dieser auf einem Vortrag beruhenden Schrift steht die Frage, wie der Sinn des Lebens aus psychologischer Sicht zustande kommt. Ausgangspunkt der psychologischen Betrachtung der Sinnfrage ist die Tatsache, dass der Mensch evolutionär bedingt ein soziales Wesen ist. Das heisst, das Leben ist natürlicherweise immer ein Leben mit Artgenossen. Die innere Stellungnahme zu den Menschen hängt jedoch davon ab, wie der Einzelne in den ersten Lebensjahren alle anderen kennengelernt und welche Schlüsse er daraus gezogen hat. Der Mensch entwickelt aus den Gefühlseindrücken in den ersten Lebensjahren unbewusst eine Meinung darüber, was er sich vom Leben versprechen und wie er darin eine Bedeutung bekommen kann. Er antwortet darauf mit einer eigenen Art, das Leben zu bewältigen, mit einem Lebensstil, einem Lebensschema, einem Skript, mit dem er das ganze weitere Leben wahrnimmt, beurteilt und zu bewältigen versucht. Er folgt deshalb in allen Lebensäusserungen, in jeder Alltagshandlung, in Gewohnheiten, Zielsetzungen, im Denken, Verhalten und in allen Gefühlsäusserungen einer inneren Logik, einer Psycho-Logik. Daraus erwächst dem Menschen auch sein privater Lebenssinn. Dieser zufällig entwickelte Sinn hilft ihm aber nur dann, im Leben glücklich zu werden, wenn er ihm erlaubt, mit anderen gut auszukommen und so eigenständig zu leben, dass dabei das Wohl der anderen immer mit einbezogen ist. Wer sich im psychologischen Gespräch bewusst wird, wie sich sein Lebenssin  in den ersten Lebensjahren entwickelt hat und erfährt, in welcher Weise er mit der Realität nicht zusammenpasst, kann sich mit den Menschen besser verstehen lernen und einen selbst gesetzten Sinn finden.

"Aufschieben, Zögern, Vertagen – Was hindert uns, Dinge anzupacken?" (Heft 7) 
von Fiorenza Piraccini, MSc. Psychologie

Die meisten Menschen kennen das unliebsame Phänomen, dass man unliebsame Aufgaben hin und wieder hinauszögert, aufschiebt und vertagt, anstatt sie direkt anzupacken. Wir Menschen weichen aber auch Dingen aus, die an sich nicht unliebsam sein müssten, zum Beispiel einer engeren Beziehung zu unseren Mitmenschen. Der Vortrag nimmt sich der Frage an, was uns daran hindert, Dinge anzupacken, anstatt sie hinauszuschieben. Dazu werden einleitend die Grundlagen vermittelt, wie man sich einer solchen Fragestellung psychologisch nähert und wie man sie verstehen muss. Denn hinter beobachtbaren Verhaltensweisen steht immer eine psychische Bewegung. So steht hinter dem Aufschieben, dem Zögern oder dem Vertagen eine Ausweichbewegung, die sich in vielen Bereichen des Lebens zeigen kann. Jede psychische Bewegung – auch die des Ausweichens – wird verständlich, wenn man die unbewussten Überzeugungen kennt, die ein Mensch auf dem Hintergrund seiner ersten Lebensjahre gewonnen hat. Je nachdem, wie ein Mensch das Zusammenleben mit seinen Mitmenschen erlebt und welche Schlüsse er daraus gezogen hat, nimmt er eine entsprechende Haltung im Leben ein. Er hat eine innere Stellungnahme entwickelt, wie er die Welt und die Menschen sieht und welches Ziel er unbewusst verfolgt. Diese kognitiv-emotionale Stellungnahme beinhaltet, was er von den Menschen hält, was er von sich selber hält, was er sich zutraut und was nicht, was er glaubt leisten zu müssen, um recht zu sein, was er sich von seinen Mitmenschen erhofft, was er befürchtet, was er als unangenehm und erstrebenswert empfindet und was nicht. Entsprechend seiner unbewussten Überzeugungen wird er ausweichen, wo er Befürchtungen hat, sich etwas nicht zutraut oder ein anderes Ziel verfolgt. Durch dieses psychologische Verständnis können wir zu einer realistischeren Stellungnahme gelangen, die uns ermöglicht, das Leben direkter anpacken und erfüllender gestalten zu können.

Intensive Psychotherapie bei Psychosen (Heft 8)        von Dr. med. Lilly Merz

Viele Menschen glauben noch heute, dass eine Psychose den Menschen überfällt und dass sie nicht verstehbar ist. In dieser Broschüre wird in der Tradition vieler Psychologen und Psychiatern die Ansicht vertreten, dass Psychosen genausi wie andere psychische Schwierigkeiten verstehbar sind und durch Psychotherapie geheilt werden können. Sie werden hier als eine Nachwirkung von unglücklichen Kindheitskonstellationen betrachtet. Der Betroffene ist durch tragische Erlebnisse und osychische Verstrickungen im Vertrauen zu sich selbst und die Mitmenschen erschüttert. Wenn er durch unglückliche Erlebnisse im späteren Leben geschwächt ist, greift er unbewusst auf kindliche Muster zurück. Er sucht nach Lösungen der anstehenden Probleme und findet sie nicht, weil ihm die entsprechenden psychischen Möglichkeiten fehlen und er diese mit aller Anstrengung nicht alleine entwickeln kann. Im vorliegenden Vortrag wird ebenfalls dargestellt, dass der von einer Psychose Betroffene nur dann aus seinen Verstrickungen herausgelöst werden kann, wenn der Psychiater die notwenigen hohen Anfordeungen entwickelt hat. Dazu gehört eine genaue Kenntnis über die Entstehung von Gefühlsüberzeugungen und im spezifischen den Hintergrund von Psychosen. Genauso wichtig ist es, dass der Psychiater feinfühlig, wohlwollend, emotional gleichwertig und über einen langen Zeitraum geduldig die Verästelungen des Seelenlebens zusammen mit dem Patienten erforschen kann. Zudem darf er sich nicht durch verschiedenste Absicherungstendenzen, Zurückweisungen und Verunsicherungen des Hilfesuchenden beeinträchtigen lassen, sondern ihm den Weg zu den Mitmenschen aufzeigen, mit ihm seine oft negative Wahrnehmung des Lebens verstehen und ihn konkret ermutigen, mit den anderen Menschen das Leben zu gestalten.  In diesem Vortrag wird darüberhinaus der seltene Versuch gemacht, die notwendige, intensive Psychotherapie zu skizzieren, um so Hilfesuchende und Psychiater zu ermutigen, öfter und ausdauernder eine Gefühlswandlung beim Hilfesuchenden zu bewirken.